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Corona-Logbuch – Woche 6

Nach 5 Wochen Corona-Koller kam gestern die Nachricht, dass der Lockdown bis auf weiteres bestehen bleibt. Meine 3 Schulkinder haben jubiliert. Nr. 4 sagte dagegen erstmals, dass er den Kindergarten vermisst. Ich vermisse den Kindergarten auch. So wie viele weitere Dinge. Ich finde die Entscheidung, Ausgangsbeschränkungen, Schul- und Kitaschließungen aufrecht zu erhalten absolut richtig. Freuen kann ich mich trotzdem nicht darüber. Derzeit bin ich Arbeitnehmerin, Köchin, Putzkraft, Aushilfslehrerin und Entertainerin in einer Person. Das ist die ultimative Herausforderung.

Vorhin las ich eine Antwort auf den Facebook-Eintrag einer Bekannten. Die Bekannte ist ähnlich Corona-zermürbt wie ich und tat das in einem Post kund. Darunter kommentierten sehr viele Mütter ihre Sicht der Dinge. Ich überflog die meisten, um dann ganz unten hängen zu bleiben. Dort schrieb jemand, man solle Corona doch als Chance begreifen. Endlich könne man mal mit dem Mäuschen im Garten chillen, faulenzen, Mandalas malen, verkleiden spielen, Origami-Hasen falten, Kinder-Yoga praktizieren und und und. Ich suchte nach Ironie, aber sie meinte das ernst. Normalerweise antworte ich nicht auf Facebook-Posts. Dieses Mal konnte ich nicht anders. Ich schrieb sinngemäß zurück, das möge ja alles schön und gut sein, sei aber schwer umzusetzen, wenn man statt einem Kind eine ganze Horde davon daheim habe. Und wenn man noch dazu täglich im Homeoffice arbeitet. Das habe ich geschrieben. Gedacht habe ich indess: „Verdammte Kacke! Schieb´ Dir die Origami-Hasen dahin, wo die Sonne nicht scheint!“ So langsam reicht es aber mit #alleswirdgut und #coronaalschance.

Ich hing schon in Telefonkonferenzen, während ich meinem Jüngsten auf der Toilette assistierte. Jeder Arbeitsauftrag, den ich meinen Pubertieren gebe, wird zunächst mal mündlich abgeschmettert. Im besten Fall schwingen sie zweimal halbherzig den Putzlappen um gleich darauf wieder in ihren ungelüfteten Zimmern zu verschwinden. Der 8-jährige will ständig bei mir übernachten, meinen Mann sehe ich kaum noch, weil er im Kell- äh Souterrain arbeitet und ich vermisse schmerzlich unsere Putzhilfe. Ich schlafe viel zu wenig. Außerdem hasse ich es, mit Mundschutz einkaufen zu gehen, denn meine Brille beschlägt dabei ständig. So. Jetzt geht es mir besser. Vielleicht wird doch irgendwann wieder alles gut.