Schlagwörter

, , ,

Im Flop des Monats März geht es dieses Mal um BPA. Bisphenol A, wie es korrekt heißt, ist für mich ein rotes Tuch. Das Zeug ist eine Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonat. Für Babyflaschen ist es seit 2011 deutschlandweit verboten. Studien hatten darauf hingewiesen, dass BPA hormonstörend wirkt. Also werden zumindest Babyflaschen aus Polycarbonat inzwischen hierzulande nicht mehr hergestellt und auch nicht mehr importiert. Soweit so gut. Die Industrie geht jetzt wie folgt vor. Sie produziert Fläschchen aus anderen Kunststoffen und verpasst sich damit selbst einen Heiligenschein. Auf 8 von 10 Babfläschchen findet man den nämlich den Schriftzug “Frei von BPA” auf der Umverpackung. Was soll mir das als Verbraucher jetzt sagen? „Seht her: Es ist zwar selbstverständlich, aber auch wir verzichten neuerdings auf BPA?“ oder vielleicht „Wir sind die Guten. Unsere Flaschen beinhalten kein BPA?“ Möglicherweise möchten die Hersteller von Babyflaschen damit auch sagen: „BPA??? Wir doch nicht! Gut, in unseren Flaschen ist zwar anderer Mist, aber BPA ist jedenfalls nicht drin!“

Frei von Phthalaten und frei von BPA

Was den oben erwähnten „Mist“ angeht: Nachdem die Industrie auf alternative Kunststoffe umgestellt hat, gab es im Februar 2012 eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie zum Thema Babyflaschen aus alternativen Plastikmaterialien. Darin bekommt auch Polypropylen sein Fett weg. Füllt man heiße Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee in die PP-Babyflasche ein, lösen sich Substanzen aus dem Kunststoff. Unter anderem Phthalate, die ebenfalls Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben können.

Phtalate? Von denen sind doch einige bereits seit 2005 in Babyflaschen und Spielzeug verboten. Man könnte jetzt natürlich einfach rigoros vorgehen, weitere Studien in Auftrag geben und nach Polycarbonat mit Polypropylen den nächsten Kunststoff verbieten. Aber was das schon wieder kosten würde! Da ist das Anbringen eines neuen Etiketts die deutlich billigere Lösung. „Frei von sämtlichen Phtalaten“ steht womöglich schon bald neben „Frei von BPA“.

Für Babyflaschen sind meine Kinder schon zu groß, aber in puncto Trinkflaschen kann ich noch die Reißleine ziehen. Die sind deshalb bei uns aus Glas. Schlimmstenfalls gehen sie zu Bruch. Wenn ich dann eine neue Flasche kaufen kann, hängen keine irreführenden „Frei von Allem“- Etiketten daran. Und ich kann mir sicher sein, dass meine Kinder außer Tee, Saft und Wasser keine gesundheitsschädlichen Stoffe trinken.